Make or Buy: Wann sich Individualsoftware rechnet
Lizenzkosten sind der offensichtliche Teil der Rechnung. Der teurere Posten ist der Prozess, den Sie an ein Standardprodukt anpassen müssen.
Definition, Beispiele und zehn Tipps, wie Unternehmen Low-Code- und No-Code-Entwicklung in den Fachbereichen sinnvoll einführen und begleiten.
Dieser Beitrag ist zuerst bei ADITO erschienen und wird hier mit freundlicher Genehmigung wiedergegeben.

Die sogenannten Citizen Developer haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, da Unternehmen nach Wegen suchen, ihre Innovationsfähigkeit zu steigern, agiler zu werden und sich an schnell wechselnde Geschäftsanforderungen anzupassen. Darüber hinaus sehen Unternehmen in Citizen Developern eine mögliche Lösung für den Fachkräftemangel. Im Folgenden finden Sie einige überzeugende Gründe, warum Citizen Development für Unternehmen attraktiv ist, sowie zehn Tipps, wie Sie es erfolgreich fördern.
Ein Citizen Developer ist eine technisch versierte Person außerhalb der IT-Abteilung, die Softwareanwendungen für ihren Fachbereich im Unternehmen entwickelt. Citizen Developer haben keine formale Ausbildung oder tiefgreifende Programmierkenntnisse und verwenden Low-Code- oder No-Code-Plattformen, um Anwendungen zu erstellen, die ihren spezifischen Geschäftsanforderungen entsprechen.
Die Idee hinter dieser partizipativen Entwicklung ist es, die Entwicklungszeit zu verkürzen, die Kosten zu senken und die Innovationsfähigkeit zu erhöhen. Dieser Citizen-Development-Ansatz ermöglicht es Organisationen, schneller und flexibler auf geschäftliche Herausforderungen zu reagieren, indem sie das Fachwissen und die Kreativität ihrer Mitarbeitenden nutzen.
Es gibt zwei Haupttypen von Citizen Development: Low Code und No Code.
Bei der Low-Code-Entwicklung verwenden Mitarbeitende visuelle Werkzeuge, um Anwendungen mit einem Minimum an manueller Codierung zu erstellen. Mithilfe vorgefertigter Bausteine und Drag-and-Drop-Funktionen können Benutzer:innen Geschäftslogik, Datenbankintegrationen und Benutzeroberflächen erstellen, ohne den zugrunde liegenden Code genau kennen zu müssen. Ein gewisses technisches Verständnis ist erforderlich, jedoch keine umfassenden Programmierkenntnisse.
No-Code-Entwicklung erfordert keine Programmierkenntnisse. No-Code-Plattformen bieten eine besonders intuitive Oberfläche, die es den Benutzer:innen ermöglicht, Anwendungen ausschließlich mit visuellen Werkzeugen zu erstellen. Sie bieten vorgefertigte Vorlagen, Formulare und Automatisierungen, um die Erstellung von Anwendungen so einfach wie möglich zu gestalten. Benutzer:innen können komplexe Workflows erstellen, Datenbanken verwalten und Berichte generieren, ohne Code schreiben zu müssen.
Citizen Developer bringen oft ein tiefes Verständnis von Geschäftsprozessen und Geschäftsanforderungen mit, da sie in der Regel Mitarbeitende des Unternehmens sind. Ihre Entwicklungsbemühungen sind stark auf Geschäftsanforderungen ausgerichtet, um Lösungen für spezifische Probleme zu finden und Prozesse zu verbessern.
Anstelle traditioneller Programmiersprachen verwenden Citizen Developer visuelle Entwicklungswerkzeuge, die es ihnen ermöglichen, die benötigten Anwendungen mit Hilfe von Drag-and-Drop-Oberflächen und vorgefertigten Bausteinen zu erstellen. Dies erfordert weniger technisches Know-how als die Entwicklung mit herkömmlichen Programmiersprachen.
Citizen Developer arbeiten häufig mit agilen Entwicklungsmethoden, um schnell auf Veränderungen zu reagieren und inkrementelle Verbesserungen an den Anwendungen vornehmen zu können. Auf diese Weise bleiben sie flexibel und können sich an wechselnde Geschäftsanforderungen anpassen.
Die Aufgaben eines Citizen Developers können je nach Organisation, Projekt und individuellen Fähigkeiten variieren. Im Allgemeinen umfasst die Tätigkeit eines Citizen Developers jedoch die folgenden Aufgaben:
Citizen Developer sind täglich mit bestimmten geschäftlichen Herausforderungen konfrontiert und können Unternehmensanforderungen identifizieren. Sie erkennen und verstehen, welche Anwendungen oder Lösungen benötigt werden, um diese Herausforderungen zu bewältigen.
Nachdem sie die Geschäftsanforderungen identifiziert haben, sind Citizen Developer an der Auswahl einer geeigneten Plattform beteiligt.
Citizen Developer erstellen das Design der Anwendung, indem sie Datenstrukturen, Benutzeroberflächen, Workflows und andere Funktionen definieren, die den Bedürfnissen der Nutzer:innen entsprechen.
Mit Hilfe visueller Entwicklungswerkzeuge implementieren sie die Entwicklung der Anwendung, indem sie Felder, Formulare, Workflows und Datenbankintegrationen und weitere Module hinzufügen.
Nach der Entwicklung kümmern Citizen Developer sich um Testing und Fehlerbehebung, um sicherzustellen, dass die Anwendung ordnungsgemäß funktioniert.
Schließlich steuern sie die Bereitstellung und Wartung der Anwendung und überwachen sie in der Produktionsumgebung, um sicherzustellen, dass sie den sich ändernden Geschäftsanforderungen entspricht.
Marktbeobachter wie Gartner gehen davon aus, dass der Anteil von Citizen Developern und Low-Code-Anwendungen an der Softwareentwicklung in den kommenden Jahren deutlich zunehmen wird.
Die praktischen Anwendungsbeispiele sind vielfältig und reichen von der Automatisierung von Geschäftsprozessen bis hin zur Entwicklung maßgeschneiderter Anwendungen für spezifische Arbeitsabläufe. Einige Beispiele zeigen, wie Unternehmen Citizen-Development-Programme erfolgreich einsetzen können.
Mitarbeitende können Low-Code-Plattformen nutzen, um Routineaufgaben zu automatisieren, die normalerweise viel Zeit in Anspruch nehmen. Beispielsweise kann ein Citizen Developer eine unternehmensspezifische Workflow-Anwendung erstellen, die bestimmte Genehmigungsprozesse, z. B. für Rechnungen, automatisch durchführt. Hier setzt die Robotic Process Automation an.
Citizen Development kann Ihrem Unternehmen dabei helfen, den Service zu verbessern, indem es Ihren Mitarbeitenden ermöglicht, effizienter auf Kundenanfragen zu reagieren. Zum Beispiel kann eine Kundendienstabteilung eine firmenspezifische Anwendung entwickeln, die häufig gestellte Fragen automatisch beantwortet oder Kundenanfragen priorisiert und an die zuständigen Mitarbeitenden weiterleitet. Aus den Kennzahlen im Service können Sie wertvolle Schlüsse für das gesamte Unternehmen ziehen.
Personalabteilungen können Citizen-Development-Programme nutzen, um personalbezogene Prozesse zu vereinfachen und zu automatisieren. Dazu kann die Entwicklung einer unternehmensspezifischen Anwendung gehören, mit der Mitarbeitende ihre Arbeitszeiten verwalten, Urlaubsanträge stellen oder Fortbildungen planen können.
Unternehmen können maßgeschneiderte Anwendungen entwickeln, um Daten zu sammeln und zu analysieren, die für ihre Geschäftsentscheidungen relevant sind. Beispielsweise kann ein Team eine Anwendung für den Vertrieb entwickeln, die automatisch Verkaufsdaten aus verschiedenen Quellen sammelt und analysiert, um Verkaufstrends zu erkennen und Verkaufsprognosen zu erstellen.
Lager- und Logistikabteilungen können spezifische Anwendungen entwickeln, um die Bestandsverwaltung zu optimieren und Lagerbestände effizienter zu verwalten. Eine solche Anwendung könnte z. B. Barcode-Scanning-Funktionen enthalten, um Lagerbestände zu verfolgen, automatische Bestellungen auszulösen und Lieferungen zu planen. Diese Funktionen sind für das Supply Chain Management von großer Bedeutung.
Mitarbeitende können individuelle Reporting- und Dashboard-Anwendungen entwickeln, um Echtzeitdaten, Vertriebskennzahlen oder Marketing-KPIs anzuzeigen. Dies kann die Erstellung von Verkaufsberichten, Finanzanalysen oder Leistungsdashboards umfassen, die es Führungskräften ermöglichen, fundierte Entscheidungen zu treffen.
Unternehmen können maßgeschneiderte Schulungs- und Weiterbildungsanwendungen entwickeln, um ihre Mitarbeitenden kontinuierlich zu schulen und ihre Fähigkeiten zu verbessern. Solche Anwendungen können interaktive Lernmodule, Schulungsvideos oder Quiz enthalten, um das Lernen zu erleichtern und zu fördern.
Je nach Branche und Unternehmensanforderungen können Citizen Developer Anwendungen maßschneidern, um spezifische Anforderungen zu erfüllen. Beispielsweise können Unternehmen im Gesundheitssektor Anwendungen entwickeln, um Patientenströme zu verwalten und Patientenakten zu pflegen, während Unternehmen im Einzelhandel Anwendungen entwickeln können, um das Einkaufserlebnis zu personalisieren und Kundenbindungsprogramme zu verwalten. Jedes Unternehmen kann individuell eine spezifische Branchenlösung entwickeln.
Unternehmen können maßgeschneiderte CRM-Anwendungen entwickeln, um Kundenbeziehungen effektiv zu verwalten und zu pflegen. Eine solche Anwendung kann Funktionen für die Erfassung von Kundendaten, das Lead-Management, die Verkaufsverfolgung und den Kundensupport umfassen.
Mitarbeitende können spezielle Anwendungen zur Collaboration entwickeln, die es Teams ermöglichen, effektiver zusammenzuarbeiten und Wissen auszutauschen. Dies kann die Entwicklung eines internen sozialen Netzwerks, eines Projektmanagement-Tools oder eines gemeinsamen Systems zum Wissensmanagement umfassen.
Die Vorteile einer partizipativen Entwicklung sind vielfältig. Es gibt jedoch auch Herausforderungen, die mit der Beteiligung von Citizen Developers verbunden sind. In der folgenden Tabelle sind einige der wichtigsten Potenziale und Herausforderungen aufgeführt.
| Potenziale | Herausforderungen |
|---|---|
| Bessere Anpassung an Geschäftsanforderungen: Individuelle Lösungen können entwickelt werden, die genau auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten sind, was die Effizienz steigert. | Sicherheitsbedenken: Datenschutzrisiken und unsichere Programmierung durch Personen ohne Fachkenntnisse. |
| Schnellere Innovation: Mitarbeitende können schnell maßgeschneiderte Lösungen entwickeln, was die Reaktionsfähigkeit auf geschäftliche Herausforderungen erhöht und Innovationen beschleunigt. | Qualitätssicherung: Schwankende Qualität erfordert Mechanismen für verlässliche Anwendungen. |
| Entlastung der IT-Abteilung: Mitarbeitende können die benötigten Anwendungen selbst erstellen, was die IT-Teams entlastet und Kapazitäten für strategische Aufgaben freisetzt. | Integration in bestehende Systeme: Nahtlose Integration erfordert Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung. |
| Mitarbeiterbeteiligung: Mitarbeitende werden motiviert und engagiert, sich aktiv an der Verbesserung von Prozessen zu beteiligen. | Governance und Compliance: Die Einhaltung von Vorschriften und Richtlinien ist eine Herausforderung. |
| Kosteneffizienz: Es werden weniger externe Ressourcen benötigt, was zu Kosteneinsparungen führt, und die Schulungs- und Entwicklungskosten sind geringer. | Förderung von Schatten-IT: Potenziell geringere Qualität durch Entwicklung ohne Fachausbildung. |
| Innovation und Kreativität: Mitarbeitende haben die Möglichkeit, neue Ideen auszuprobieren, was zu innovativen Ansätzen und neuen Geschäftsmöglichkeiten führt. | Fehlende Ressourcen und Unterstützung: Bedarf an Schulungen und Zugang zu Plattformen, um Frustrationen zu vermeiden. |
| Nutzererfahrung/Benutzerfreundlichkeit: Lösungen werden besser an die Bedürfnisse der Nutzer:innen angepasst, was die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeitenden steigert. | Widerstand gegen Veränderungen: Traditionelle Vorstellungen und mangelndes Vertrauen können die Akzeptanz behindern. |
| Agilität und Flexibilität: Unternehmen können schnell auf Veränderungen reagieren und neue Funktionen einführen, ohne lange Entwicklungszyklen durchlaufen zu müssen. | Wissensmanagement: Erfassung und Nutzung des Wissens der Entwickelnden ist wichtig. |
| Skalierbarkeit: Lösungen können leicht an sich ändernde Anforderungen angepasst und erweitert werden, um mit dem Wachstum des Unternehmens Schritt zu halten. | Kultureller Wandel: Überwindung traditioneller Denkweisen hin zu einer kollaborativen Kultur. |
| Einbindung von Fachwissen: Fachexpert:innen können ihr Wissen in eigene Anwendungen einbringen, was die Zusammenarbeit und den Wissensaustausch im Unternehmen fördert. | Erfolgsmessung: Schwierigkeit, den Beitrag und die kontinuierliche Verbesserung zu messen. |
Um Citizen Development in Unternehmen zu fördern, brauchen Sie eine ganzheitliche Strategie, eine Art Citizen-Development-Framework, das organisatorische, kulturelle, technologische und prozessuale Aspekte berücksichtigt. Im Folgenden geben wir Ihnen zehn bewährte Tipps.
Schaffen Sie in Ihrem Unternehmen eine Kultur, die Mitarbeitende dazu ermutigt, neue Ideen zu entwickeln und innovative Lösungen zu finden. Dies erfordert eine offene Kommunikation, die Anerkennung und Belohnung kreativer Beiträge sowie konstruktives Feedback und eine positive Fehlerkultur.
Bieten Sie Ihren Mitarbeitenden Zugang zu den notwendigen Ressourcen und Schulungen, um ihre technischen Fähigkeiten zu verbessern und sie mit den Tools und Plattformen vertraut zu machen, die für Citizen Development erforderlich sind. Dies kann Schulungen zur Verwendung von Low-Code- oder No-Code-Tools, Zugang zu Entwicklungsressourcen und Unterstützung durch die IT-Abteilung umfassen.
Die Führungsebene sollte das Engagement für Citizen Development klar unterstützen und fördern. Dies kann in Form von klaren Richtlinien, Ressourcenzuweisung und persönlichem Engagement geschehen. Wenn Führungskräfte die Bedeutung von Citizen-Development-Programmen betonen und sich aktiv daran beteiligen, senden sie ein starkes Signal an die Mitarbeitenden, dass diese Initiative von höchster Bedeutung ist.
Identifizieren Sie im Unternehmen Mitarbeitende, die als Vorbilder für Citizen Developer fungieren können. Diese Personen können andere Mitarbeitende bei der Einführung von Citizen Development unterstützen, indem sie ihnen helfen und sie motivieren.
Die IT-Abteilung spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung und Integration von Citizen Development. Stellen Sie sicher, dass die IT-Abteilung frühzeitig in den Prozess eingebunden wird.
Stellen Sie geeignete Werkzeuge und Plattformen für die Citizen Development bereit, die einfach zu verwenden, flexibel und sicher sind. Dies kann die Implementierung von Low-Code- oder No-Code-Tools beinhalten, die es Menschen ohne umfangreiche Programmierkenntnisse ermöglichen, Anwendungen zu entwickeln.
Schaffen Sie Mechanismen, die die Zusammenarbeit und den Wissensaustausch zwischen den Mitarbeitenden fördern. Dies kann die Einrichtung von Community-Plattformen, internen Foren oder regelmäßigen Treffen und Workshops umfassen, bei denen Mitarbeitende Erfahrungen und bewährte Verfahren austauschen können.
Führen Sie klare Richtlinien und Governance-Mechanismen für die Entwicklung von Citizen-Development-Programmen ein, um sicherzustellen, dass die entwickelten Anwendungen den geltenden Standards und Vorschriften entsprechen. Dies kann die Einrichtung von Überprüfungs- und Genehmigungsprozessen, Qualitätskontrollmechanismen und Sicherheitsrichtlinien umfassen.
Belohnen Sie die Bemühungen und Erfolge Ihrer Mitarbeitenden im Bereich Citizen Development. Dies kann in Form von finanziellen Anreizen, Auszeichnungen oder anderen Formen der Anerkennung geschehen, um die Motivation und das Engagement der Mitarbeitenden aufrechtzuerhalten.
Evaluieren Sie regelmäßig den Fortschritt und die Auswirkungen der Citizen-Development-Initiative und passen Sie die Strategie gegebenenfalls an. Dies kann das Sammeln von Leistungsindikatoren, Feedback von Mitarbeitenden und Stakeholder:innen sowie kontinuierliche Verbesserungsprozesse umfassen, um sicherzustellen, dass die Initiative erfolgreich ist und den sich ändernden Anforderungen gerecht wird.
Citizen Developer haben das Potenzial, interne Prozesse nachhaltig zu verändern und die Innovationskraft der Mitarbeitenden zu stärken.
Einer der größten Vorteile ist dabei die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Fachbereiche können ihre Anwendungen eigenständig an veränderte Anforderungen anpassen, ohne bei jeder Änderung auf die IT-Abteilung angewiesen zu sein.